Sie sind hier: AFS-Komitee Karlsruhe > Das Komitee > Erfahrungsberichte > Nina in Venezuela 06/07

Venezuela

- Nina Leitern erzählt von ihrem Austauschjahr in Venezuela (2006/07) -

Venezuela - das best versteckte Geheimnis der Karibik. So lauted die Promotion einer Touristenfirma. Und es ist wirklich ein wenig so... Denn die Leute, die nach Venezuela reisen wissen meist nur, dass Venezuela ein grosses Petroliumvorkommen hat und haben vielleicht mal jemanden über die Insel "Margarita" reden gehört, die zu Venezuela dazugehört. Das wars dann. Doch Venezuela ist nicht nur Petrolium und Karibik. Es ist ein Land Südamerikas welches viele seiner Geheimnisse im Innern versteckt behält. Berge, Wüsten, Wälder, Fauna und Flora in unvorstellbarer Varietät, faszinierende Architekturen und Kulturen. Vor allem aber faszinierende Menschen, die in Venezuela zu Hause sind.

Sie sind liebenswürdig, offen, lieben das Leben und das Klima ihrer Heimat (25 Grad Durchschnittstemperatur). Sie können eben mal nach Miami fliegen um Urlaub zu machen (wenn das Geld zur Verfügung steht), doch wenn man sie fragt, freiwillig würden sie IHR Land niemals verlassen. Die Menschen leben nach ihren Bräuchen in diesem modern entwickelten Land, in dem es keine Rassenbarrieren gibt. Die Musik spielt eine grosse Rolle, denn sie leben tanzend mit und durch die Musik. Und ich bin mittendrin. Ich bin mitten in meinem Auslandsjahr - hier in Venezuela.

Ich wohne in Caracas- der Hauptstadt (ca.6 Mio. Einwohner) in einer Familie und besuche die Schule. Ich lerne viel von den Leuten hier, den Bräuchen, und auch einiges über mich selbst. Neben der Schule (wofür ich recht wenig tun muss) bin ich eifrig dabei die Landessprache zu lernen: Spanisch! Ich mache viel mit Freunden und meinen Schwestern, lerne Caracas kennen, spiele Rugby und besuche einen Mal- und Salsakurs. Ich bin jetzt 5 Monate hier - die Zeit verfliegt wie im Flug - und mir bleiben noch knapp 6. In diesen 6 Monaten hoffe ich viel reisen zu können, viel von Venezuela zu sehen, mein Spanisch perfektionieren zu können und einfach eine tolle Zeit zu haben.

Ich möchte nun mein neu liebgewonnenes Land vorstellen und es euch auf eurer Landkarte einzeichnen (Wisst ihr denn überhaupt, wo es liegt?)... Venezuela liegt im Norden Südamerikas. Es besitzt 3.000 Kilometer der Karibikküste und grenzt an Kolumbien, Brasilien und Guyana. Die Hauptstadt ist Caracas mit fast 6 Millionen Einwohnern. Caracas ist im Norden Venezuelas und liegt in einem langgestreckten Tal. Die Stadt bekommt frische Briesen ab, es gibt wenige Moskitos und praktisch das ganze Jahr scheint die Sonne. Wenn es mal regnet, regnet es kurz und kräftig.

Caracas - Die Hauptstadt

Hier gibt es keine Woche, in der es jeden Tag regnet, wie in Deutschland. Zwischen 1970 und 1980 erlebte Caracas einen riesen Aufschwung, da der Petroliumboom eine Menge Geld einbrachte. Und nun ist Caracas eine Stadt, die Probleme wegen des schnellen Wachstums hat. Die Menschen bauen in den Himmel und es gibt einige dramatische Probleme, die mit den Barrios (Slums - Kleine selbstgebaute, bunt angestrichene, quadratische Hüttchen aus Backsteinen) zu tun haben. Diese werden nämlich gestapelt und in grosser Dichte die Hügel hochgezogen. Da die Häuschen nicht stabil sind und die Konstruktionen unsicher, reicht schon ein starker Regenguss um halbe Barrios die Hügel hinunterzuspülen. Die Bewohner überleben dies selten. Caracas ist eine Stadt, die von ihren Bewohnern geliebt und zugleich gehasst wird. Chaos heisst es, wenn 6 Millionen Menschen auf "engen" Raum in Caracas leben. "enger" Raum + lächerlich niedrige Benzinkosten ( 3 Cent pro Liter / 1 Liter Wasser kostet hier 63 Cent) = STAU. Jeder Einwohner besitzt ein Auto, wenn nicht sogar mehrere.Egal wie kaputt (Lichter fehlen, überall Dellen, Türen fehlen, Scheiben eingeschlagen, Reifen platt, Stossstange weg) - es sind einfach unvorstellbar viele Autos. Egal, wo und wann du auf den Stassen in der Stadt, der Autobahn oder den Sträßchen in den Hügeln unterwegs bist. Stau, Gehupe, Abgase, empörte Taxifahrer ( "Ay mama huevo, mueveteee coñoo!"), zu Tode erschreckte Fussgänger, die durch eine grüne Ampel getäuscht wurden... überall Chaos.

Der öffentliche Verkehr-Autobusse: Es gibt ein grosses Netz von Autobussen in Caracas. Überall sieht man sie, wie sich sich an den anderen Autos vorbeidrängen. Die Preise sind niedrig- 800 Bolivares (ca.20 cent) wenn man Schüler ist 300 Bol. (ca.7.5 Cent).- Nur der Haken ist, es gibt nirgends, an keiner Haltestelle Fahrplantafeln. Wenn du Glück hast, wartest du 3 Minuten auf dein Verkehrsmittel, mit Pech 45 Minuten... so ist das hier. Man hat hier oft das Gefühl, die Zeit ist wie Sannd der einem durch die Finger rinnt, ohne dass man es geschafft hat ,damit zuvor eine Sandbrug zu bauen. Man gewöhnt sich daran ohne diese Sandburgen zu leben. Will man nach oft zweistündiger Fahrt (es gab ja mal wieder Stau) aussteigen, muss man a allen leuten vorbeibrüllen "la parada por favor!" ("Anhalten bitte!")

Im Gegensatz dazu steht die Metro. Ich glaube, inzwischen sind es 4 Linien, die durch ganz Caracas fahren und sind schnell, zuverlässig und billig 800 Bol. -> 2 Fahrten.

Ich hätte hier Angst meinen Traum - Motorradfahren - zu verwirklichen. Die Autos fahren hier über Rot, kaum jemand schnallt sich an, von TÜV wagt hier keiner zu träumen, aus 2 Spuren werden eben mal schnell 4 Spuren gemacht, gehupt wird, was das Zeug hält. Und immer haben sie die Klimaanlage an und die Fenster unten. (Sinn?) Doch die Menschen lieben Caracas auch, denn diese Stadt hat viel zu bieten:



weiter lesen...